Die Entwicklung des Abendlandes - eine Spurensuche

Am Anfang der 12. Klasse liegt die kunst- und kulturgeschichtliche Epoche. Am Ende der 12. Klasse werden die Schüler ihren beruflichen und ihren ersten schulischen Abschluss machen und stehen damit in ihrer Bildungsbiografie vor ihrem ersten umfassenden Bildungsabschluss.

Kunstgeschichte zum Anfassen

War ihr Leben, besonders ihr Schulleben bisher stark durch Entscheidungen von Eltern und Lehrern geprägt, liegt die Verantwortung für ihren weiteren Weg ab jetzt deutlich stärker in den eigenen Händen. Die Schüler werden eigenverantwortlich.

Sonnenuntergang - Abendidylle

Die kunst- und kulturgeschichtliche Epoche versucht, den Schülern diesen Entwicklungsstand zurück zu spiegeln und die Schüler auf sich selbst zurück zu werfen. Eine Reise, die bewusst auf Konsum und Hotelkultur verzichtet, erlaubt es den Schülern, sich mit sich selbst und der Gruppe auseinander zu setzen und die sozialen Kompetenzen zu erweitern.

Ob man es will oder nicht, es findet eine Auseinandersetzung mit der Gemeinschaft statt und man erlebt die Qualität von Gruppe neu. Sind wir noch ein Wir oder sind wir eine Gruppe von Individuen? Was macht Gemeinschaft eigentlich aus? Wie kommen wir trotz Differenzen zusammen?

Gerade im Hinblick darauf, dass sich die Gemeinschaft am Ende der 12. Klasse lösen wird und sich im Kolleg in anderen Zusammensetzungen wiederfindet, ist diese abschließende Reflexion der eigenen Person in der gewachsenen Klassengemeinschaft so wichtig.

Aber auch inhaltlich schließt die Epoche an den Entwicklungsstand der jungen Erwachsenen an – es geht darum, Orte aufzusuchen, an denen die Schüler ihrer Lebenssituation in der europäischen Geschichte begegnen können. An den Stellen, wo erkennbar wird, dass sich geschichtliche Strukturen aufzulösen beginnen, wo deutlich wird, dass eine alte Kultur von einer neueren überlagert wird, wo man spürt, dass sich in der Menschheitsgeschichte ein Entwicklungsschritt in Richtung Selbständigkeit anbahnt, da können Schüler wie durch einen verzerrten Spiegel auf ihre derzeitige Lebenssituation aufmerksam werden.

Das „Erleben“ von Geschichte wird wichtig, das Eintauchen in die historischen und geografischen Gegebenheiten, nicht nur das Hängenbleiben in der theoretischen Betrachtung. Eine Reise durch das Ende des Mittelalters – speziell im Übergang von Romanik zu Gotik – wo sich Veränderungen andeuten und erspüren lassen, aber der Schritt zur Veränderung zur Neuzeit noch nicht ganz geschafft ist, oder aber die Betrachtung des klassischen Altertums mit dem sich verändernden Weltbild und den ersten Anklängen einer modernen Gesellschaft liefern die Möglichkeit, mit Hilfe der Geschichte in die eigene Entwicklung einzutauchen.

Auf der Reise ins klassische Griechenland können die Schüler äußerlich die Architektur und Skulptur erleben - von der mykenischen Periode bis in die Zeit der römischen Besatzung. Das innere Verständnis wird durch die Betrachtung des sich entwickelnden Weltbildes im Altertum gefördert - von den großen Urgöttern zu den 12 Olympiern bis zu den ersten monotheistischen Gedanken bei Philosophen und Dramatikern: Alles ist nach dem Willen der Götter geformt, alles ist von ihrer Willkür abhängig. Will der Mensch Selbstständigkeit erlangen, dann geht das nur durch eigene Kraft.

Bei der Reise ins Mittelalter erfährt der Schüler etwas Ähnliches: Am Ende der mittelalterlichen Romanik waren die die Erkenntnisse der Kirche maßgeblich für alles, was das Leben bestimmt. Das galt eben nicht nur für alles öffentlich-kirchliche, sondern es durchzog sämtliche Lebensbereiche. Alle Autoritäten waren legitimiert durch die kirchliche Organisation: von Aristoteles über die Kirchenväter bis zum Klerus. Aber es werden bereits Bewegungen spürbar, die letztlich die mittelalterlichen Strukturen hinterfragen und mit der Renaissance auflösen werden. Die Menschheit erarbeitet sich eine neue Art der Selbstständigkeit. Dies alles sind Bilder, in denen sich der junge Erwachsene wieder finden kann.

Mehr noch als der theoretische Unterricht es vermag, haben die Schüler auf dieser Reise die Möglichkeit, sich auf diese kunstgeschichtlichen Betrachtungen einzulassen. Sie werden selbst tätig, sie sehen mit eigenen Augen das, was sie zeichnen, sie erarbeiten sich vor Ort ihre Referatsthemen. Sie sind dort, wo vor Jahrhunderten die Ereignisse, über die sie sonst nur hören, tatsächlich stattgefunden haben. Das hautnahe Erleben von Klima, Land und Kultur lässt einen ganz unmittelbaren Zugang zu den Themen finden, wie ihn ein Unterricht im Klassenraum nie ermöglichen könnte.

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