Die Pubertät ist eine harte Zeit

Die Hiberniaschule versucht dieser Entwicklungsphase zwischen der 7. und 10. Klasse gerecht zu werden, indem sie dem Jugendlichen eine berufliche Grundbildung gibt.

Drei Schuljahre berufliche Grundbildung

Der eine oder andere Leser mag an dieser Stelle stutzen – vier Schuljahre, die sich mit beruflicher Vorbildung beschäftigen? Es mag ihm das Grundbildungsjahr an Berufsschulen in den Sinn kommen, in welchem die Schüler auf kommende Ausbildungen vorbereitet und „ausbildungsfit“ gemacht werden sollen. Ist dies mit der beruflichen Grundbildung an der Hiberniaschule vergleichbar? Auf keinen Fall.

Punzen im Metallbearbeitungskurs

Zunächst einmal ist es an dieser Stelle wichtig, auf die Besonderheit der Hiberniapädagogik einzugehen: die strikte Trennung von allgemeiner und beruflicher Bildung, wie sie in der klassischen Pädagogik noch immer vorherrscht, gibt es hier nicht. Berufliche Bildung ist immer auch allgemeine Bildung, allgemeine Bildung immer auch berufliche – und beide fließen in einer erweiterten Allgemeinbildung zusammen.

Wenn von beruflicher Bildung gesprochen wird, ist immer der schulisch-allgemeinbildende Teil mitgedacht. Es gibt keinen beruflichen Konstruktionsprozess ohne Mathematik und Physik, kein Technologieverständnis ohne historischen Bezug; kein Gestaltungsprozess kommt ohne künstlerische Prinzipien aus.

Die Berufsbildung umfasst deshalb per se alle Unterrichte. So ist auch der Musikunterricht Berufsbildung, Schmieden auch Mathematikunterricht, ein Schauspiel ist Sozialkunde- und Sprachunterricht. Die Naturwissenschaften fließen in den Handwerksunterricht ein und umgekehrt. Nimmt man es also ganz genau, ist an der Hiberniaschule folgerichtig schon der Unterricht ab der ersten Klasse ein berufskundlicher Unterricht.

Projektbezogene Kurse

Wie ist nun der Unterricht ab der siebten Klasse konzipiert, dass wir ihn auch offiziell als berufliche Grundbildung bezeichnen? Zu den bisher unterrichteten kognitiven, handwerklichen und künstlerischen Fächern kommen projektbezogene Kurse hinzu, die quasi das „erste Ausbildungsjahr“ einer beruflichen Ausbildung abbilden. In der 11. und 12. Klasse, in der Berufsfachstufe, finden wir darauf aufbauend dann quasi das „zweite und dritte Ausbildungsjahr“.

Da alle Schüler ab der 10. Klasse die Möglichkeit haben sollen, direkt an eine der fünf Fachausbildungen unserer Schule anzuschließen, muss die berufliche Grundbildung möglichst breit sein und ist bewusst noch nicht spezialisiert. Insgesamt sind dies 42 Kurse, in denen beruflich qualifizierende Tätigkeiten aus 32 praktischen Feldern ausgeübt werden.

Hier dürfen die Inhalte der Kurse aber nicht linear gedacht werden, denn Holz folgt nicht allein auf Holz, Metall nicht allein auf Metall. So kann zum Beispiel ein Nähmaschinen-Nähkurs Fähigkeiten fördern, die im Schmieden weiter entwickelt werden. Jeder einzelne Kurs stellt einen Mehrwert in der individuellen Entwicklung des jungen Menschen dar.

Verbindung von allgemeiner und beruflicher Bildung

Nun könnte man glauben, dass aufgrund dieser beruflichen Ausprägung der klassisch-allgemeinbildende Unterrichtsteil (z.B. Mathematik, Deutsch, Englisch, Kunst) zu kurz käme. 

Zum einen ist das schon einmal deshalb nicht der Fall, da die berufsgrundbildenden Kurse im Nachmittagsbereich zum bisherigen Stundenumfang hinzukommen (mit anderen Worten Unterricht bis um 15.30 Uhr), zum anderen kann man immer wieder beobachten, wie die Durchdringung und Verschränkung einerseits stärker beruflicher und andererseits stärker schulisch-allgemeinbildender Teile sich gegenseitig fördern und befruchten.

Die Aussage, berufliche Bildung sei per se auch immer schon allgemeine Bildung und umgekehrt, ist eben nicht nur pädagogischer Anspruch der Hiberniapädagogik, sondern bei uns jeden Tag immer wieder neu erlebbar.

Ziel ist es, den Schülern eine breite Bildung in möglichst vielen verschiedenen Bereichen zu ermöglichen. Es geht also insgesamt darum, sich ganz praktisch mit vielfältigen Sachzusammenhängen,  Fertigungstechniken, Werkstoffen und Werkzeugen auseinander zu setzen und breit angelegte Kompetenzen zu erwerben.

Über die Ausbildung der üblichen fachlichen Kompetenzen hinaus geht es um viel mehr – eine stichwortartige Liste lässt erahnen, wie umfassend dies ist: Ausdauer, zielorientiertes Handeln, wache Wahrnehmung, Umgang mit Fakten und Wissen, Raumverständnis, Selbsteinschätzung, Koordination, motorische Geschicklichkeit, Verantwortung für sich und andere, nachhaltiges Handeln und Umweltbewusstsein, Präzision, Planung, Sicherheit und vieles mehr.

So erwirbt der Schüler neben den kognitiven Fähigkeiten eine ganze Reihe methodischer und sozialer Kompetenzen hinzu, die wichtige Bausteine seiner persönlichen Entwicklung werden können.

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