Am Anfang stand die Lehrwerkstatt
Die Hiberniaschule entstand nach dem 2. Weltkrieg aus dem Impuls heraus, den Lehrlingen des damaligen Stickstoffwerks der Bergwerksgesellschaft Hibernia AG in Wanne-Eickel parallel zu ihrer gewerblichen Ausbildung eine Allgemeinbildung angedeihen zu lassen. Diese wäre ihnen durch die damalige Beendigung der Volksschulzeit mit 14 oder 15 Jahren vorenthalten geblieben. Der Anstoß zu dieser Entwicklung kam vom Schulgründer Klaus J. Fintelmann. Er knüpfte bewusst an den Erziehungsimpuls Rudolf Steiners an, durch den auf Initiative des Generaldirektors der Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik die erste Waldorfschule im Jahre 1919 gegründet wurde. Ausgehend von seinen ersten allgemeinbildenden und künstlerischen Unterrichten entwickelte sich eine Gesamtschule eigener Art, die von Anfang an Modellcharakter hatte und ihn bis heute bewahrt hat.
Das Modell
Hervorgegangen aus Einrichtungen des beruflichen Bildungsweges (Lehrwerkstatt, Berufsfach- und Berufsaufbauschule) versteht sich die Hiberniaschule als eine Bildungsstätte, die als Gesamtschule konzipiert wurde, in der unabhängig von sozialer Herkunft, Begabung und späterem Beruf alle jungen Menschen eine gemeinsame Bildung erhalten. Im Kreise der Schulen, die auf der Grundlage der Menschenkunde und Erziehungskunst Rudolf Steiners arbeiten, stellt sie sowohl in ihrer Pädagogik als auch in ihrem Schulaufbau mit der Integration von beruflichem und allgemeinbildendem Lernen eine originäre Konzeption dar.
Hiberniapädagogik – Vorreiter in der pädagogischen Diskussion
In vielen Bereichen sind und waren die auf der Grundlage der Pädagogik Rudolf Steiners arbeitenden Schulen Vorreiter in der pädagogischen Diskussion: sei es Koedukation in stabilen Bezugsgruppen über lange Zeiträume, entwicklungsgemäße Stufung der Lernprozesse, Verzicht auf Sitzenbleiben, ausführliche Textzeugnisse, zwei Fremdsprachen ab der ersten Klasse, künstlerische Gestaltung des Unterrichts, Epochenunterricht (Blockunterricht), Handlungsorientierung, Selbstverwaltung (Autonomie) der Schule und vieles anderes mehr. Von der Hiberniaschule gingen Anstöße vor allem im beruflichen Bereich aus: Arbeitslehre, berufliche Stufenausbildung, Integration beruflicher und allgemeiner Bildung. Sie war führend in der Diskussion um die Einführung einer Gesamtschule, deren umfassendes Modell sie nach wie vor ist.
